Aja­la Gabai – Zeit­zeu­gin aus Isra­el (Jan. 2014)

Frau Aja­la Gabai begann mit ihrer Erfor­schung der eige­nen Ver­gan­gen­heit, als ihre Mut­ter 1995 starb, aber wei­ter­hin Brie­fe aus Hol­land ein­tra­fen, deren Absen­der Frau Gabai nicht kann­te. Sie wun­der­te sich, dass ihre Mut­ter ein Geheim­nis gehabt hat­te. So kam sie in Kon­takt mit der Fami­lie, die ihre Fami­lie wäh­rend der Besat­zung Hol­lands durch die Nazis ver­steckt hat­te, weil sie Jüdin war. Aja­la Gabai war dort zur Welt gekom­men. Das Baby brach­te mit sei­nem Schrei­en alle in gro­ße Gefahr, sodass eine schwe­re Ent­schei­dung getrof­fen wer­den muss­te … der Hol­län­der, der die Fami­lie ver­steck­te, trenn­te die Mut­ter vom Baby! Die­se trau­ma­ti­sche Erfah­rung, dass sie, um ihr eige­nes Leben zu ret­ten, ihr Kind “im Stich ließ”, konn­te Aja­las Mut­ter ihr Leben lang nicht ver­win­den, des­halb schwieg sie und Aja­la muss­te ihre ers­ten Lebens­jah­re in jah­re­lan­ger Recher­che rekonstruieren.

Ein paar Jah­re nach dem zwei­ten Welt­krieg emi­grier­te die Fami­lie von Hol­land nach Isra­el und leb­te zunächst vier Jah­re lang in einem Kib­buz, das von deut­schen Juden gegrün­det wor­den war. Wäh­rend ihre Eltern nie gut hebrä­isch lern­ten, konn­ten sich Aja­la und ihre Geschwis­ter bes­ser inte­grie­ren. Den zwei­ten Schwer­punkt ihres in sehr gut ver­ständ­li­chem Eng­lisch gehal­te­nen Vor­trags, den sie mit einer Com­pu­ter­prä­sen­ta­ti­on ver­an­schau­lich­te, bil­de­te Frau Gabais Leben in Isra­el. Die Schüler/innen erfuh­ren, dass sich die isrea­li­sche Gesell­schaft aus Men­schen mit vie­ler­lei Her­kunft zusam­men­setzt. Vie­le Juden kamen und kom­men aus Russ­land, aus Deutsch­land und Hol­land, aus dem Jemen oder Eng­land und den USA nach Isra­el und brin­gen ihre jewei­li­ge Men­ta­li­tät mit. Dort leben sie mit Mus­li­men bzw. Mus­li­mas und Drus/inn/en zusam­men. Die inter­es­siert und dazu auf Eng­lisch nach­fra­gen­den Schüler/innen der Gym­na­si­ums Peg­nitz woll­ten bei­spiels­wei­se wis­sen, wie die Israe­lis mit der Bedro­hung durch Terrorist/inn/en umge­hen. Sie erfuh­ren u.a. von häu­fi­gen Umzü­gen in weni­ger bedroh­te Regio­nen und dem stän­di­gen Rech­nen mit Anschlä­gen. Das erklärt wohl auch die bis zu drei Jah­ren dau­ern­de Mili­tär­zeit, die für jun­ge Israe­lis bei­der Geschlech­ter ver­pflich­tend ist.