Möd­la­re­uth-Exkur­sio­nen

Möd­la­re­uth – auch „Litt­le Ber­lin“ genannt- ein klei­nes Dorf, das heu­te zum einen Teil in Thü­rin­gen liegt, zum ande­ren Teil in Bay­ern, in der Ver­gan­gen­heit jedoch wie so vie­le Orte von der Mau­er getrennt wur­de, war wie jedes Jahr das Ziel einer Exkur­si­on der Q11.

Fahrt der Q11 nach Möd­la­re­uth (2017)

Im Muse­um an der ehe­ma­li­gen deutsch-deut­schen Gren­ze wur­de die Geschich­te des Eiser­nen Vor­hangs auf­ge­ar­bei­tet, der das Dorf wäh­rend des Kal­ten Krie­ges geteilt hat, so dass sie Besu­chern, wie auch Schul­klas­sen, anschau­lich prä­sen­tiert wer­den kann.Im Muse­um selbst wird ein Film vor­ge­führt, der den All­tag der Men­schen zeigt, die in Möd­la­re­uth leb­ten und tag­täg­lich mit den unter­schied­li­chen Aus­wir­kun­gen der Mau­er zu kämp­fen hat­ten. Durch eine Muse­ums­päd­ago­gin erfuh­ren wir, wie die Mau­er Stück für Stück von der sowje­ti­schen Regie­rung ver­stärkt und gesi­chert wur­de, um die hohen Flücht­lings­zah­len nach West-Deutsch­land ein­zu­däm­men. Zu Beginn war es nur ein Holz­zaun, der die bei­den Dorf­hälf­ten und somit auch Fami­li­en von­ein­an­der trenn­te, jedoch noch rela­tiv leicht über­wun­den wer­den konn­te. Aller­dings wur­de das Pro­blem in der DDR sehr bald publik, sodass der Holz­zaun durch einen zuerst nur aus einer Rei­he bestehen­den, spä­ter aus drei Rei­hen zusam­men­ge­setz­ten Maschen­draht­zaun ersetzt wur­de. Auch die Kon­trol­len und Geset­ze wur­den ver­schärft, so dass es sogar ver­bo­ten wur­de vom Osten in den Wes­ten zu win­ken oder zu rufen. Es gab jedoch auch beein­dru­cken­de stil­le Pro­tes­te gegen die Tren­nung, indem die Dorf­be­woh­ner bei­der Hälf­ten bei­spiels­wei­se am Zaun zusam­men­ka­men, um nach dem Tode eines Ange­hö­ri­gen aus der Ost­hälf­te zusam­men mit einem Pfar­rer die Beer­di­gung zu fei­ern. Trotz­dem kam es 1966 zum end­gül­ti­gen Ver­lust des Sicht­kon­tak­tes der Fami­li­en und Nach­barn, als eine über­manns­ho­he Beton­mau­er auf­ge­stellt wur­de, die in regel­mä­ßi­gen Abstän­den mit Wach­tür­men gespickt war.Die unter­schied­li­chen Mau­er­ar­ten, die man auch heu­te noch in Mit­ten des Dor­fes besich­ti­gen kann, machen es sehr ein­fach nach­zu­voll­zie­hen, wie sich die Men­schen damals gefühlt haben müs­sen: ein­ge­schlos­sen in einem Land, das ihnen durch das poli­ti­sche sowie wirt­schaft­li­che Sys­tem wenig zu bie­ten hat­te, von der stän­di­gen Prä­senz der Sol­da­ten mit Waf­fen bedroht.

Beson­ders inter­es­sant für die Schü­ler waren die unter­schied­li­chen Flucht­ver­su­che, von denen eini­ge lei­der töd­li­che ende­ten. Geglückt war jedoch der Ver­such eines Fabrik­ar­bei­ters, der von sei­ner Arbeits­stel­le die Grenz­an­la­gen genau über­bli­cken und stu­die­ren konn­te, so dass er genau wuss­te, was er wie pla­nen muss­te, damit sei­ne Flucht gelin­gen wür­de. Mit selbst gebas­tel­ten Lecker­lies aus Fleisch und Schlaf­ta­blet­ten, die die Hun­de ablenk­ten, sowie einer Lei­ter, zu der er auf­grund sei­nes Beru­fes Zugang hat­te, gelang die Flucht über die Mau­er in die Freiheit.Wir wur­den jedoch auch auf die Schat­ten­sei­ten der DDR auf­merk­sam gemacht, die von vie­len heut­zu­ta­ge unter­schätzt und her­un­ter­ge­spielt wer­den. Eines der gefähr­lichs­ten und vor allem bru­tals­ten Hin­der­nis­se, die es zu über­win­den galt, waren Selbst­schuss-Waf­fen, die bei Aus­lö­sung Metall­split­ter über 130m weit schleu­der­ten, sodass der Flüch­ti­ge fast kei­ne Über­le­bens­chan­ce hat­te. Sol­che Fäl­le wur­den jedoch aufs Strengs­te geheim gehal­ten, um den Schein einer demo­kra­ti­schen und rechts­staat­li­chen Regie­rung auf­recht zu erhal­ten. Eine wei­te­re Metho­de, um dem Wes­ten kei­ne Mög­lich­keit zur Kri­tik zur geben, waren die Schieß­be­feh­le, die dar­auf ziel­ten, jeden Flucht­ver­such durch Gebrauch der Schuss­waf­fe zu ver­hin­dern, außer es wür­de dazu füh­ren, dass die Lei­che auf west­li­chem Gebiet landete.Alleine schon die­se weni­gen Geschich­ten, die wir an die­sem Tag gehört haben, ver­deut­li­chen, wie sehr wir unse­re Frei­heit schät­zen soll­ten, da wir das gro­ße Glück haben, in einer Zeit des rela­ti­ven Frie­dens auf­zu­wach­sen. Gren­zen haben für uns meist nur sym­bo­li­sche Bedeu­tung, genau­so wie für Möd­la­re­uth heut­zu­ta­ge wie­der, da der Tann­bach zwar Thü­rin­gen und Bay­ern von­ein­an­der trennt, aber nicht Fami­li­en und Freun­de.

Natha­lie Gumann, Q11

Exkur­si­on der Q11 nach Möd­la­re­uth (Juli 2012)

Am bis dahin hei­ßes­ten Tag des Jah­res, dem 27. Juli 2012, mach­te sich die gesam­te Q11 in Beglei­tung der Geschichts­leh­rern Herrn Bock, Herrn Fel­ser, Frau Röß­ler und Herrn Huber auf, um im Rah­men des Geschich­te- und Sozi­al­kun­de­un­ter­richts das geteil­te Dorf Möd­la­re­uth (an der Gren­ze zu Thü­rin­gen) und das dor­ti­ge Deutsch-Deut­sche Muse­um zu besu­chen. 

Nach einer ein­stün­di­gen Anfahrt wur­de der Jahr­gang in zwei Grup­pen ein­ge­teilt. Die eine Hälf­te bekam zuerst eine Füh­rung durch das Dorf und die dort nach­ge­bau­ten Grenz­an­la­gen und wur­de über die Geschich­te Möd­la­re­uths infor­miert: 
Zwar war das Dorf schon seit dem Jah­re 1810 auf Bay­ern (damals König­reich Bay­ern) und Thü­rin­gen (damals Fürs­ten­tum Reuß) auf­ge­teilt, doch beein­träch­tig­te die­ser Umstand die Bewoh­ner nie, da es kei­ne wirk­li­che Gren­ze gab. Ein­zig ein klei­nes Flüss­chen quer durchs Dorf, der Tann­bach, mar­kier­te die Lan­des­gren­ze. 


Nach­dem Deutsch­land dann nach dem zwei­ten Welt­krieg in die vier Besat­zungs­zo­nen auf­ge­teilt wur­de, fiel der nörd­li­che Teil Möd­la­re­uths in die sowje­ti­sche Zone, die sich spä­ter zur DDR ent­wi­ckel­te und der süd­li­che in die ame­ri­ka­ni­sche. Die Unzu­frie­den­heit der Bevöl­ke­rung in der DDR führ­te zu immer mehr Flücht­lin­gen, was wie­der­um die Regie­rung der DDR dazu ver­an­lass­te, eine nahe­zu unüber­wind­ba­re Gren­ze um das Land zu zie­hen. Die inner­deut­sche Gren­ze, die „Mau­er“, ent­stand. Und die­se zog sich auch mit­ten durch das Dorf Möd­la­re­uth. Ent­lang der Demar­ka­ti­ons­li­nie wur­de ein 10m brei­ter Kon­troll­strei­fen ange­legt, bei des­sen Betre­ten von Schuss­waf­fen Gebrauch gemacht wer­den konn­te. Die DDR ließ das grenz­na­he Hin­ter­land in einen 500 m brei­ten Schutz­strei­fen, in dem sich der eine Teil Möd­la­re­uths befand und eine 5 km tie­fe Sperr­zo­ne unter­tei­len. 
Beim Rund­gang durch die nach­ge­bau­te Gren­ze wur­de jede ein­zel­ne Ein­rich­tung, von der Stra­ßen­schran­ke bis hin zum aus­ge­tüf­tel­ten Sperr­zaun, genau­es­tens erklärt. Mit Hil­fe einer ver­ein­fach­ten Skiz­ze der Anla­ge konn­ten die Schü­ler alles bes­tens ver­fol­gen. Der Füh­rer erzähl­te auch eini­ge span­nen­de Geschich­ten von ver­schie­de­nen, aller­dings nur sel­ten gelun­ge­nen Flucht­ver­su­chen über die Gren­ze. Trotz der Hit­ze und der pral­len Son­ne ver­ging die Zeit rasch und nach einer Stun­de war die ers­te Grup­pe wie­der am Muse­um und tausch­te mit der ande­ren, die jetzt mit der Füh­rung an der Rei­he war. 
Grup­pe 1 sah sich jetzt den Film an, den Grup­pe 2 zuvor ange­schaut hat. Er han­del­te vom Leben in Möd­la­re­uth zu DDR-Zei­ten und der Wie­der­ver­ei­ni­gung des Dor­fes. Mit Ori­gi­nal­bil­dern und ‑vide­os wur­de den Schü­lern ein sehr genau­er Ein­druck der dama­li­gen Umstän­de ver­mit­telt.

Um ca. 11:45 Uhr ging es dann im kli­ma­ti­sier­ten Bus wie­der zurück nach Peg­nitz.

Anne Ritt­mey­er